Die beiden Rosen (Romanze)

Buch der Lieder | | 1836 |

„Es prangt in weichem Moose
Gar voll ‘ne Purpurrose,
Den Feuergluthen gleich;
Und an sie angeschmieget,
‘ne andere sich wieget,
Wie  Schneesflocken bleich.”

„Sie blinkt, wie Thränensehnen,
Muß an die Gluth sich lehnen
Mit tiefer Allgewalt;
Die zarten Zauberbilder
Verklären voll und milder
Zu Harmoniegestalt.”

„Und wie die Gluth verrauchet
In Staubeshülln getauchet,
Vom Sturm entblättert liegt,
So prangt die bleiche glühend,
Von Himmelstönen sprühend,
In Aetherglanz gewiegt.”

„Sie scheint emporzuflammen,
Dann sinkt sie auch zusammen,
Und beide hüllt ein Grab.”
So sang ein greiser Sänger,
Und lehnt sich bang und bänger
Auf seinen Wanderstab.