Die Nacht (an Jenny)

Buch der Liebe (1. Teil) | | | 1818 |

Die Nacht ist gewebt aus Melodien,
Die sehnend herüber, hinüberziehn,
Dann falln sie vom Himmel nieder,
Umhüllen des Alles Glieder,
Ich gestalte mit sinnender Hand
Aus ihrem Gewebe ein Flügelgewand,
Flieg’ so in die seeligen Weiten,
Die den Schleier um Jennyen breiten,
Da horch’ ich von Sehnsucht und Lust erfüllt,
Wie das Wortl aus dem süssen Munde quillt,
Wie keines ein Herz verhehlet,
Das Götter zum Sitz sich erwählet.

Und die Worte sie werden mir Spährengesang
Ich schwelge im Seelen- und Liebesdrang,
Doch, wenn Dein Busen höher schlägt
Wenn der Schmerz in die Lüfte sich ringend trägt
Wenn allzugewaltig Sehnen
Hervorblizt in grossen Thränen,
Wenn ein höher Roth auf die Wange flieht,
Ein Himmel aus Deinem Auge zieht
Wenn Dein tiefinneres Leben,
Ganz sich selber dahingegeben,
Die Last nicht mehr faßt, die es eingeengt,
Vor sich selber sich zeigt, die Kette zersprengt,
Und bewegt von dunklem Verlangen,
Sich erschöpft in Sehnen und Bangen,
Wenn die schöne, hehre Zaubergestalt,
Noch höher verklärt ist durch Schmerzesgewalt.

Dann möchte ich niederfallen,
Ein kühnes Wort Dir lallen,
Dir sagen, daß ich allein Dich erkannt,
Daß ich von derselben Gluth entbrannt,
Daß bei mir in wilder Entfaltung,
In verzweiflender Hohngestaltung
Dieselbe Macht aus dem Busen spricht,
Die sich bei Dir in Thränen bricht.
Daß das Schicksal groß geschrieben,
Von Ahnen und That und von Lieben,
Daß tiefes Leiden untergeht,
Wenn Flammenvereinung über uns steht.

Ich möchte dann ewig weilen,
Seele und Athem mit Dir theilen,
Ich möchte verglühn an Deiner Brust,
Hinsinken seelig und unbewußt,
Möcht mit Dir untergehen,
Ein Hauch mit Dir weiterwehen.

Als Walzer in moll,